Sicherheit geht vor Leistungsfähigkeit

Am 21.03.2019 ist auf der Aachener Straße in Düren ein Radfahrer auf tragische Weise ums Leben gekommen. Der 17-jährige war stadteinwärts auf dem Schutzstreifen unterwegs, als ein Lkw aus noch ungeklärten Gründen nach rechts von der Fahrbahn abkam, den Radfahrer erfasste und dabei so schwer verletzte, dass er noch an der Unfallstelle verstarb.

Rob Maris von der Bürgerinitiative ProRad Düren war am Abend des 21.03. beim WDR 5 Stadtgespräch in Aachen dabei, ohne zu wissen, was am Nachmittag in Düren geschehen ist. Thema des Stadtgesprächs war das „Risiko Radfahren“. Der eingangs zitierte Satz „Sicherheit geht vor Leistungsfähigkeit“ ist im Verlauf des Stadtgesprächs gefallen. Hintergrund dieser Aussage sind Regelungen in der StVO und den dazugehörigen Verwaltungsvorschriften wonach die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vorgeht. Der Unfall vom Donnerstag zeigt deutlich, wie wichtig das ist.

Die Bürgerinitiative ProRad fordert in ihrem Leitfaden für Radverkehrsanlagen in Düren vom November 2018, dass viel befahrene und insbesondere vierspurige und überbreite Straßen mit optimalen Radverkehrsanlagen nach modernsten Erkenntnissen ausgestattet werden und die vorhandene Fläche zu Gunsten des Radverkehrs anders verteilt wird. Schutzstreifen wie an der Aachener Straße sieht ProRad lediglich als Verlegenheitslösung bei Platzproblemen, weil diese den subjektiven Sicherheitsbedürfnissen der Radfahrenden ungenügend Rechnung tragen und deshalb nicht geeignet sind, den Radverkehrsanteil deutlich zu erhöhen. Außerdem sind sie – z.B. wegen der Gefahr von Dooring-Unfällen – auch objektiv kritisch.

Im Februar dieses Jahres berichtete der WDR, dass die Stadt Aachen inzwischen einräumt, ihr Ziel, Menschen mit der Markierung von Radfahrstreifen zum Umstieg aufs Rad zu bewegen, nicht erreicht zu haben. Hintergrund ist ein Verkehrsgutachten, dass zu dem Schluss gekommen ist, die entlang der Aachener Hauptstraßen markierten Radfahrstreifen seien nicht sicher. Das Problem ist, dass der vorgeschriebene Mindestabstand von 1,50 Metern beim Überholen nicht eingehalten werde. Ein Sprecher der Stadt sagte gegenüber dem WDR, dass die überholenden Fahrzeuge entweder auf die Nachbarspur ausweichen oder – wenn das nicht möglich ist – hinter dem Radfahrer bleiben müsse. Das mache aber fast niemand.

ProRad hofft, dass die Sichtweise, die bei der Stadt Aachen Einzug gehalten hat, bald auch bei den Verantwortlichen der Stadt Düren ankommt. Die Mitglieder der Bürgerinitiative räumen ein, dass es in Düren Straßen gibt, an denen aus Platzgründen keine andere Maßnahmen als Schutzstreifen machbar sind und wo Schutzstreifen aufgrund eines geringen Verkehrsaufkommens als ausreichend betrachtet werden können. Die Maßnahmen der Radverkehrsführung in Düren dürfen sich aber nicht in der ausschließlichen Markierung von Schutzstreifen manifestieren. An viel befahrenen Straßen müssen dringend baulich getrennte Radverkehrsanlagen umgesetzt werden, die den aktuellen Erkenntnissen entsprechen. Das dient der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer und wird – da ist sich ProRad sicher – auch zu einer Erhöhung des Radverkehrstanteils und damit zu besserer Luft und mehr Lebensqualität in Düren beitragen. In einem technischen Beitrag zum Thema Schutzstreifen wird Vertiefung geboten.

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