Radfahrende werden ausgebremst

Unfall-Lage Bahnhofstraße Kreuzau

In diesem Beitrag geht es um kleine Anpassungen, die von Verantwortlichen in und um Düren im Verkehrsgeschehen herbeigeführt werden und die in der Praxis zumindest den Komfort für Radfahrende beeinträchtigten. „Ausgebremst“ gibt es aber ebenso – von daher der etwas prägnante, aufmerksamkeitsheischende Begriff in der Überschrift. 😉

Aktueller Anlass ist eine Anpassung, die der Kreis Düren (als Straßenverkehrsbehörde) bei der Beschilderung an der Bahnhofstraße in Kreuzau veranlasst hat, nachdem dort zwei Unfälle passiert sind. Das ist Punkt 1.
Anschließend wird von uns dargelegt, dass es sich um ein häufig vorkommendes Problem handelt, weshalb Radfahrende in der Summe merklich beeinträchtigt werden. Was selbstverständlich dem Bemühen um Fahrradfreundlichkeit und damit Radverkehrsförderung(!) entgegenwirkt. Ziel dieses Beitrages ist es, für die Problematik zu sensibilisieren. Deswegen zitieren wir heute auch aus einem Schreiben an Verantwortliche in Politik und Verwaltung.

Vom Speziellen (der Fall in Kreuzau) …

Vor wenigen Tagen wurde der Zweirichtungsradweg gegenüber von Polizei/Rathaus für die Richtung Hauptstraße – also linksseitig – als nicht zulässig beschildert. In diesem Bild sind mit Pfeilen die zwei neuen Verkehrsschilder kenntlich gemacht, um die es geht.

Über mehr als 20 Jahre ist an der Einmündung von Am Bahnhof in die Bahnhofstraße – soweit uns bekannt – nichts Auffälliges passiert. Sonst hätte man längst Einschränkungen für den Radverkehr realisiert. Die nunmehr rechtswidrige Fahrt entlang der dortigen Apotheke lässt Radfahrende bis zu 1,5 Minuten an der Ampel zur Querung der Dürener Straße bis vorbei der Mittelinsel warten. Oder man steigt unmittelbar hinter dem Bahnübergang – vor dem neuen Verkehrsschild – ab. Aber auch das ist eigentlich eine Zumutung.
Die einfachste Lösung überhaupt wäre ein richtiges Stoppschild für den Verkehr aus Am Bahnhof; mit dem dann obligatorischen Haltestreifen (den es jetzt nicht gibt), ergänzt um ein Gefahrenzeichen „Radfahrer“. So würde die bestehende Vorfahrt auf der Bahnhofstraße auch für Radfahrende deutlich sichtbarer. Die Maßnahme könnte man als Einstiegslösung einrichten, die später um bauliche Verbesserungen ergänzt werden, so dass die Sicherheit für Radfahrende ohne Komforteinbußen gewährleistet bleibt.
Das wäre ohnehin dem jetzigen Zustand vorzuziehen, weil zu befürchten ist, dass kaum einer sein Radfahrverhalten ändern wird. Will heißen: Mit der jetzigen Lösung ist das Unfallpotenzial vermutlich fast unvermindert gegeben, während unser Vorschlag die Risiken vermindern dürfte. Alles eine Frage des Abwägens!
ProRad möchte unbedingt erreichen, dass kurzfristig die oben skizzierte Lösung eingerichtet wird. Das Mindeste ist, dass wir (in unserer Eigenschaft als ADFC-Ortsgruppe) als sogenannter Träger öffentlicher Belange (TöB) beteiligt werden.
Bereits unmittelbar nach dem ersten Unfall sind wir aktiv geworden, und haben an Verantwortliche dieses PDF gesendet. Auch hier werden Ideen notiert. Leider sind wir nicht „gehört“ worden.

… zum Allgemeinen

In Zusammenhang mit der Einschränkung für Radfahrende am Arnoldsweilerweg (neu eingerichtete Poller – DN/DZ vom 10.9.2022) haben wir am 23. September Verantwortliche in Düren angeschrieben. Wir zitieren daraus.

Uns ist wichtig, zu betonen, dass es nach unserer Wahrnehmung ein grundsätzliches Problem gibt. Nicht nur am Arnoldsweilerweg. Wir stellen im Laufe der Zeit fest, dass die „Standardantwort“ nach gewissen verkehrlichen Ereignissen, die etwa die Verkehrssicherheit beeinträchtigen fast immer die ist, dass der Radverkehr ausgebremst wird. Das Wort ist natürlich eine Floskel – es geht darum, dass der Radverkehr in der Regel wie auch immer eingeschränkt wird – und nicht etwa der Autoverkehr.

Anschließend nannten wir das Beispiel in Kreuzau und auch ein Beispiel bei Jülich. Zu Jülich schrieben wir:

Bei Jülich wurden nach zwei Unfällen am neuen Bahntrassenradweg vier überdimensionierte Stoppschilder für den Radverkehr eingerichtet. Es wurden keine Maßnahmen ergriffen, die den Charakter des Bahntrassenweges als „Premiumradweg“ (Bezeichnung seitens der Städteregion Aachen) erhalten sollen. Dabei ist es für uns nicht mehr als selbstverständlich, dass man nach Lösungen sucht, die dem Radverkehr nicht abträglich sind und den Autoverkehr nur moderat beeinträchtigen. Auch wenn der Autoverkehr eher bremsen müsste als bisher: Der Autofahrende hat ein Gaspedal. Der Radfahrende muss auf Muskelkraft beschleunigen.

So ist es! Der Fall Jülich wurde übrigens ebenso in der Zeitung thematisiert:

Wichtig war uns, abschließend einen weiteren Aspekt zu beleuchten:

Wir glauben, dass der fehlende „Mut“, Lösungen für derlei Probleme mehr im Sinne des Radverkehrs und der Radverkehrsförderung zu erarbeiten wesentlich auch daher rührt, dass Radfahrende im Vergleich zum Autoverkehr als Minorität wahrgenommen werden. Auch das ein Grund für uns, hier konkret nachzubohren. Weil es auch um Sensibilisierung geht.

Wir hoffen, dass sich hier letztlich auch etwas tut. Jedenfalls haben wir ein Nischenthema angerührt, von dem wir hoffen, dass sich mit der nötigen Beharrlichkeit etwas verändern lässt. Nicht wir sollten uns in Zukunft darum kümmern müssen, sondern Verantwortliche sollten selber die richtigen Abwägungen treffen, wenn eine Verkehrssituation – aus welchen Gründen auch immer – geändert werden muss.

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