Fahrradwelt steht still!

Düren, 11. Feb. 2024
Gedenkfahrt für Andreas Mandalka – vielen Radfahrenden bekannt als „Natenom“ Bundesweite Gedenkfahrten am 13. März auch in Düren.

Pressemitteilung von ADFC Aachen/Düren e.V. und ProRad Düren

Radfahrer auf der Aaqchener Straße, bei der Aufstellung eines weißen Fahrrades

An der Aacher Straße wird ein neues Ghost Bike zum gedenken an den 2019 verunfallten Radfahrer aufgestellt, Foto: Claudia Veith

 

Natenom wurde bei einem Verkehrsunfall von einem Auto angefahren und starb. Der Unfall ereignete sich am Dienstagabend, 30. Januar, südlich von Pforzheim.

Andreas setzte sich seit vielen Jahren für sicheres Radfahren ein. Täglich fuhr er mit dem Rad lange Strecken. Er filmte die unzähligen viel zu engen Überholmanöver durch Autofahrende und ging damit regelmäßig zur Polizei. In seinem Blog berichtet er von seinen Erlebnissen und brenzligen Situationen auf dem Rad und machte so die Missstände deutlich. Er nahm uns alle mit auf seine Fahrten, die uns oft an eigene Erlebnisse erinnerten und die uns jedes Mal schockierten.

ProRad und ADFC Düren organisieren Gedenkfahrt

In Düren fand am Karnevalssonntag ebenfalls eine Gedenkfahrt für Natenom und die getöteten und verletzten Radfahrerinnen und Radfahrer statt. Die Dürener Sektion des ADFC Aachen/Düren hatte gemeinsam mit den Aktivisten von ProRad dazu aufgerufen.
Etwa 20 Personen trafen sich mit Fahrrädern am Dürener Marktplatz, dort wo sonst die monatliche Critical MASS Düren startet. Nach einer Kundgebung und einer Schweigeminute für Andreas Mandalka startet die Tour durch die Kölnstraße in Richtung Bahnhof. Gemeinsam werden die drei Unfallstellen in Düren angefahren, an denen Radfahrer zu Tode kamen. Dort hatten Aktivisten der Critical MASS Düren weiß gestrichene Fahrräder aufgestellt, die an die tödlich verunfallten Radfahrer erinnern. Ein erster Halt ist am ehemaligen Zollamt, wo ein solches Fahrrad steht. Dort wurde im Mai 2015 ein 64 jähriger Mann von einem LKW überollt. Ein weiteres Rad befand sich an der Aachener Straße. Dieses wurde jedoch Ende des Jahres gestohlen. Die weißen Räder mahnen auch die mangelde Sicherheit für Radfahrende an.

ADFC Kritik

Der ADFC-NRW kritisiert unzureichende Fahrradinfrastruktur, fehlende Kontrolle und Ahndung gefährlicher Überholmanöver. Die für den Schutz von Radfahrenden unzureichende Fahrradinfrastruktur, für deren Verbesserung sich Andreas so vehement engagiert hat, und die oft fehlende polizeiliche Kontrolle und Ahndung von gesetzeswidrigen Überholvor-gängen, die er in seinen Artikeln immer wieder dokumentiert hat, sind ursächlich für viele schwerverletzte und getötete Rad-fahrer:innen.

Wussten Sie es?! Überholabstände nach §5 StVO

Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand zu den anderen Verkehrsteilnehmern eingehalten werden. Beim Überholen mit Kraftfahrzeugen von zu Fuß Gehenden, Rad Fahrenden und Elektrokleinstfahrzeug Führenden beträgt der ausreichende Seitenabstand innerorts mindestens 1,50 m und außerorts mindestens 2 m.

Der Überholabstand ist das Maß zwischen linkem Lenkerende des Fahrrades und rechten Außenspiegel des überholenden KFZ.

Fahrt durch die Stadt

Die Gedenkfahrt führte über die breitesten Straßen in Düren. Bei einem Stop auf der August-Klotz-Straße schidert Jens Veith (ADFC Aachen/ Düren) die Verkehrssituation:

Für Radfahrende hat die August-Klotz-Straße eine gefährliche und beängstigende Flächenaufteilung mit 2 Autospuren je Richtung. Die viel zu schmale Fahrradspur führt zwischen dem fließenden Verkehr und im Seitenraum geparkten Autos ohne trennende Barrieren hindurch. Hier kommt es täglich zur Nötigung von Radfahrenden durch zu nah überholende Kraftfahrzeuge. 2019 kostete die ähnliche Situation auf der Aachener Straße einem jungen Mann das Leben.

 

ProRad fordert Verkehrsversuch

Ein Mitstreiter aus der Initiative ProRad hat dafür einen Bürgerantrag gestellt. Dieser fordert, dass die in Kürze auf der Veldener Straße neu gebauten geschützten Radstreifen (GRS) auf der August-Klotz-Straße bis zur Polizeikreuzung provisorisch verlängert werden. Denn auf dieser Achse gibt es keine sichere durchgehende Verbindung für den Radverkehr. Die Verwaltung ist damit beauftragt, den Verkehrsversversuch zu planen und zu beauftragen. Die August-Klotz-Straße sollte laut Vertrag der Koalition Zukunft als erste Straße von vier auf zwei Spuren für KFZ umgestaltet werden, um Platz für sicheren Radverkehr zu gewinnen

Geisterrad wieder aufgestellt

Ein weiterer Stopp der Gedenkfahrt wird an der Unfallstelle auf der Aachener Straße eingelegt. Dort stellen die Aktivisten erneut ein Geisterrad auf. Das weiß lackierte Rad erinnert an den 17-jährigen Radfahrer, der dort im März 2019 tödlich verunglückte. Die Dürener Unfallkommission fordert ebenso wie ProRad, dass die Aachener Straße für den Radverkehr sicherer wird. Entsprechende Planungen sind bereits beschlossen.

Eine Frau zündet ein Grablicht an, zum Gedenken an den jungen Radfahrer

Ein Licht zum Gedenken an den jungen Radfahrer, Foto: Claudia Veith

Die Tour endet an der Bahnstraße. Dort an der Kreuzung mit der Papiermühle starb im August 2013 ein 83-jähriger Mann vor den Augen seiner Ehefrau bei einem Zusammenstoß mit einem Auto.
(ADFC/ProRad)

Folgende Fotos wurden von Bodo P. Schmitz (www.mutbuergerdokus.de gemacht)
Ebenso möchte ich hier auf den Beitrag auf seiner Seite verlinken:
http://www.mutbuergerdokus.de/html/aktionen/2024_02_11_gedenkfahrt-natenom-andreas-mandalka.htm

Hier gibt es Audiobeiträge der Kundgebung
Audiobeitrag: Kundgebung auf dem Marktplatz, Rede von Jens Veith
Audiobeitrag: Verkehrssituation für Radfahrende auf der August-Klotz-Straße
Audiobeitrag: Zur Situation an der Aachener Straße


Bewegende Schweigeminute für #Natenom auch in NRW
https://nrw.adfc.de/neuigkeit/schweigeminute-natenom

Nachruf Andreas Mandalka (Natenom)
https://aachen.adfc.de/artikel/nachruf-natenom-2

Im Interview: Natenoms Einsatz für einen sicheren Überholabstand
https://bw.adfc.de/artikel/interview-mit-einem-aktivisten-fuer-sicheren-ueberholabstand

Unbekannte verwüsten Gedenkstätte für getöteten Rad-Aktivisten
https://www.zeit.de/mobilitaet/2024-02/andreas-mandalka-radaktivist-gedenkstaette-neuhausen

Gedenkveranstaltung für Natenom: Starkes Zeichen für Sicherheit im Radverkehr
https://bw.adfc.de/neuigkeit/gedenkveranstaltung-natenom

 

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