Düren enttäuscht beim ADFC Fahrradklima-Test 2020

Düren weiter im Abstiegstrend

DÜREN: Trotz Rekord-Beteiligung bei dem heute im Bundesverkehrsministerium vorgestellten ADFC-Fahrradklima-Test 2020 landet Düren erneut im hinteren Rang der Liga der Mittelzentren mit 50 – 100 Tausend Einwohnern. 378 Menschen haben Dürens „Fahrradklima“ beurteilt, das sind rund 20 Prozent mehr als 2018.

Der ADFC-Fahrradklimatest wird durch das Bundesverkehrsministerium gefördert.
Ziel der Verkehrsministerien ist es, das Fahrradklima in Deutschland zu verbessern, um den Radverkehrsanteil zu steigern. Denn das ist ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaziele und verbessert die Lebensqualität in den Städten.

Frage 6 & 7 zur Kategorie Stellenwert des Radfahrens

Im Test konnten die Teilnehmenden zu 27 Fragen ihre Bewertung in Schulnotenform abgeben. Bei den Fragen ging es z.B. darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Radwege sind und ob die Stadt in Zeiten von Corona das Fahrradfahren besonders fördert.

Bewertungen alarmierend

In der Gesamtbewertung schnitt Düren mit Schulnote 4,3 noch schlechter ab als 2018 (4,2). Im Städteranking liegt Düren jetzt auf Platz 91 von 110 verglichenen Städten.

Gründe

Offensichtlich haben sich die Bedingungen für Radfahrende nicht wirklich verbessert, obwohl in den letzten Jahren viele Kilometer „Schutzstreifen“ markiert, und ca. 10 weitere Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet wurden. Trotzdem fällt die Beurteilung zu den meisten Interviewfragen negativer aus als zuvor.
Die in Düren auffallenden „Schutzstreifenmarkierungen“ am Straßenrand vermitteln das Bild, dass etwas für den Radverkehr getan wird. Sie kosten nicht viel, und fallen auf, wenn sie zusätzlich mit roter Farbe gefüllt sind.
Dazu nehmen sie dem Autoverkehr wenig Platz weg und können bei Bedarf überfahren werden. So blockieren Kraftfahrzeuge diese Wege oft durch Halten, Parken oder im Stau vor Kreuzungen.
Der Begriff „Schutzstreifen“ hält nicht, was er verspricht.
Oftmals leiten diese „Schutzstreifen“ Radfahrende direkt durch den Türöffnungsbereich der längs parkenden Autos (Dooring-Zone). Fahren Radler deshalb neben dem „Schutzstreifen“, kann das Autofahrer durchaus zu riskanten Überholmanövern provozieren, glaubt sich der Autofahrer im Recht, den Fahrradfahrer auf den „Schutzstreifen“ zu verweisen. Dazu unterschreiten Autofahrer beim Überholen nicht selten den nötigen Mindestabstand von 1,5 m zu Radfahrenden.

Ergebnisse zur Fragenkategorie Sicherheit

Die Ergebnisse im Fahrradklimatest zur Sicherheit der Radfahrer*innen bestätigen, dass Düren bisher auf die falschen Maßnahmen gesetzt hat.
Das erklärte Ziel, die Steigerung des Radverkehrs, wurde nicht erreicht.

Der Fahrradklimatest 2020 ist ein deutliches Signal, dass die Strategie für den Ausbau der Radinfrastruktur für Düren überdacht werden muss. Nur wenn die Menschen, die mit dem Rad in Düren unterwegs sind, sicher sind, wird sich das Fahrradklima insgesamt verbessern. Dann würden auch die Menschen Rad fahren, denen es jetzt noch zu gefährlich ist.

Ausblick

Dürens neue Koalition Zukunft bekundet, dass sie eine echte Verkehrswende will und dass dafür der Platz im Verkehrsraum neu verteilt wird. Jetzt gilt es für die Politik, die Weichen für die nächsten Jahre zu stellen. Auch das grade veröffentlichte Fahrradgesetz NRW lässt Radfahrer*innen hoffen, dass sich die Bedingungen für sie verbessern.

Bürgerbeteiligung

Derzeit ist ein Radvorrangroutenkonzept in der Planungsphase. Dazu fand Ende 2020 eine Onlinebefragung statt. Mehr als 1000 Bürger bewerteten im Online-Fragebogen die verschiedenen Radführungsformen. Sie benannten wichtige Alltagsziele und konnten Routenvorschläge machen oder einzelne Abschnitte hierzu benennen.
Auch ProRad arbeitet mit an dem Konzept. ProRad möchte das die Eingaben der Bürger im Radvorrangroutenkonzept berücksichtigt werden. Viele Bürger nannten auch die Hauptverkehrsachsen als wünschenswerte Routen. Ohne viel Aufwand lassen sich einige Hauptverkehrsadern fahrradfreundlicher gestalten. Ein Musterbeispiel ist die Monschauer Straße. Hier gab es einst Radwege auf beiden Seiten. Vor vielen Jahren sind diese zu Parkplätzen umfunktioniert worden.
Es ist sinnvoll, diese Bereiche zu sanieren, und dem Radverkehr zurückzugeben. Heute weiß man: Radrouten müssen lückenlos als sicher angesehen werden, um von den „Massen“ genutzt zu werden.

Die umgesetzten Maßnahmen für den Radverkehr sind seit langer Zeit ein Stückwerk aus punktuellen Verbesserungen und „Schutzstreifen“. Eine durchgängige, intuitiver Führung von Radwegen vermisst man in Düren fast gänzlich. Das Radvorrangroutenkonzept ist ein guter Baustein zu einem noch fehlenden Gesamtkonzept für den Radverkehr, bei dessen Planung ganzheitlich gedacht werden muss.

ADFC fordert ganzheitliches Radverkehrskonzept

ADFC und ProRad fordern dringend, dass ein Gesamtkonzept für den Radverkehr in Düren entwickelt wird, dass bis 2025 umgesetzt wird.
Außerdem fordern wir, dass die eingesetzten Mittel für Radinfrastrukturmaßnahmen mindestens verzehnfacht werden, auf ca. 30 € pro Einwohner und Jahr. Fördermittel stehen dafür außerdem reichlich zur Verfügung. So kann eine zukunftsfähige und bedarfsorientiertee Radverkehrsförderung gelingen.

In der Corona-Zeit haben viele Menschen das Radfahren neu für sich entdeckt – und wir wollen, dass sich auch die Neuaufsteiger auf dem Rad wohl und sicher fühlen. Doch auch Schulkinder sollten gefahrlos die Möglichkeit haben, mit dem Rad selbständig ihre Alltagswege zu fahren.


Infos zum Download

Fahrradklimatest Zeugnisse für

Fahrraklimatest 2020 als PDF

Links zu weiteren Infos

Ergebnisse zum Fahrradklimatest 2020
https://fahrradklima-test.adfc.de/ergebnisse

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4 Antworten zu Düren enttäuscht beim ADFC Fahrradklima-Test 2020

  1. prorad sagt:

    Bei den Zusatzfragen zu „Corona u. Radfahren“ zeigte sich mit einer schlechten Bewertung (4.7), dass Corona in Düren den Radverkehr nicht sichtbar nach vorne gebracht hat. Es gab keine Pop-Up-Bikelanes oder ähnliche Sofortmaßnahmen in Düren. Bei den Zusatzfragen nach der Wichtigkeit der einzelnen abgefragten Punkte kam heraus, dass sichere Wege und gleichberechtige Teilhabe im Verkehr ganz oben auf der Wunschliste stehen, während ein Fahrradverleihsystem eher unbedeutend wäre.

  2. Elmar Farber sagt:

    Die Ergebnisse zeigen mehr als deutlich, dass gar nicht daran gedacht wird, das Klimaschutz-Teilkonzept, das gerade Halbzeit hat, umzusetzen. Wurde nicht genau dafür die Stelle des Mobilitätsmanagers geschaffen? Wir wissen in Düren doch noch nicht mal, wie unsere aktuellenZahlen überhaupt aussehen? Was hat sich verändert seit Inkrafttreten des Kilmaschutz-Teilkonzeptes? Wer sich heute mal ein bisschen angehört hat, was die BürgermeisterInnen so erzählen, die wirklich (und nicht nur in Sonntagsreden) pro Verkehrswwende arbeiten, wundert sich über die maßlose Ignoranz/Inkompetenz unserer Verkehrsplanung. Was habe ich eben gehört? Die Mittel aus dem Förderprogramm „Stadt und Land“ sind schon überzeichnet? Hat Düren da was beantragt? Falls nicht, falle ich langsam echt vom Glauben ab… Vielen Dank auch für die „besondere Förderung des Radverkehrs“! LOL!

  3. Michel Voss sagt:

    1. Umfrage ist nicht repräsentativ – unzufriedene beteiligen sich i.d.R. stärker. 2. Seit 1974 fahre ich täglich Rad, seit 1976 in Köln & Erftstadt, seit 2011 auch in Düren. 3. Vom Nordkap bis zur Sahara bin ich 10.000 km/ Jahr gefahren – Chicago, London, Paris, Marseille, Brüssel, Amsterdam, Kopenhagen, Hamburg & Berlin. 4. Nirgendwo lieber als in Düren: Hier gibt nur wenige Bordsteinradwege, auf denen in der Dunkelheit Fußgänger vor’s Rad laufen & viele Landwirtschaftswege. Radstreifen führen auf dem guten Belag der Fahrbahn, entlang der B 264 kürzlich verbreitert & Aufstellflächen vor Ampeln markiert. https://kreisverbaende.adfc-nrw.de/kv-bottrop/radverkehr/radwegbenutzungspflicht/mehr-unfaelle-durch-radwege.html

    • Rob Maris sagt:

      Michel Voss ist auch nicht repräsentativ. Er unterschlägt zudem, dass alle Umfragen in letzter Zeit in die gleiche Richtung zeigen (Quellen: ADFC + UdV); dass das schon sehr aussagekräftig ist. Zudem ist es so, dass die Teilnehmenden in der Regel die sind, die ohnehin häufiger Rad fahren. Wenn diesen sogar eine Trennung vom Autoverkehr wünschen – um wie viel mehr dürfte das für die zutreffen, die bisher kaum oder gar nicht im Alltag Rad fahren?

      Es ist natürlich prima, wenn Michael Voss im Berufsverkehr lieber mit den Autos im Stau steht (z.B. Kölner Straße). Bei guten, zeitgemäßen Radwegen gibt es das nicht. Dann ist man mit dem Fahrrad schneller. Wie der Igel eben dem Hasen ein Schnippchen schlägt.

      Merke: Zeitgemäße Radwege! Darauf fahren Radfahrende gerne. Laut ADFC. Und die verlinkte Unfallgeschichte bezieht sich auf veraltete Radinfrastruktur. Der betreffende Artikel ist 21 Jahre alt!

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