Alle reden über die Dürener Nordumgehung

Seit einigen Wochen gibt es mehrere Zeitungsberichte zu diesem Thema, angefangen bei der Vorstellung des CDU-Wahlprogrammes, woraufhin eine Diskussion zwischen verschiedenen Dürener Parteien entbrannte. Auch das stand groß in der Zeitung. Es sieht danach aus, dass die B399n zu einem zentralen Thema des Kommunalwahlkampfes wird.

Seit Herbst 2019 darf ProRad bei der B399n mitdenken! Das ist unserem kritischen Engagement bei der B56n zu verdanken. Der Leiter der Regionalniederlassung Euskirchen von Straßen.NRW, Gerhard Decker, hat uns eingeladen, bei der B399n mitzudenken. Das haben wir natürlich sehr gerne wahrgenommen.

Am 8. Oktober 2019 und 18. Februar 2020 haben Vertreter von ProRad Düren Gespräche mit den zuständigen Mitarbeiterinnen von Straßen.NRW in Würselen geführt, um diese für die Belange des Radverkehrs zu sensibilisieren. Bei dem Termin im Februar waren auch eine Vertreterin und ein Vertreter des Dürener Tiefbauamtes anwesend.
Die Planung sieht vor, dass die B399n ab der Mariaweilerstraße in östliche Richtung von einem Zweirichtungsradweg begleitet wird. Leider zeigen die Planungsunterlagen aber auch, dass der Rad- und Fußverkehr in vielen anderen Bereichen nicht nur zu kurz kommen, sondern ihr Ziel in Zukunft teilweise nur auf Umwegen erreichen können. Ein Beispiel dafür ist das „Haus für Gürzenich“. Dieses konnten Radfahrer und Fußgänger von Süden kommend bisher leicht erreichen, indem sie nach der Bahnunterführung nach links abbogen. Durch den Platzverbrauch der B399n wird es dazu kommen, dass Radfahrer und Fußgänger einen Umweg in Kauf nehmen müssen.

Punktweise:

  • Die halbkreisförmige Anbindung mit der Bahnstraße. Die aktuellen Planungen sehen unnötige Querungen vor. Das ist für Fußgänger und Radfahrer nicht nur ineffektiv, sondern auch gefährlich, weil die Bahnstraße zu einem Zubringer der B399n wird. Dazu kommt, dass es in diesem Bereich keinen Straßenbegleitenden Radweg gibt. Radfahrenden, die zum „Haus für Gürzenich“ fahren wollen, werden es mit Umwegen zu tun haben.
  • Es gibt keinen straßenbegleitenden Radweg westlich der Mariaweilerstraße. In einer Breite, die den aktuellen Qualitätsstandards entspricht und so ausgeführt ist, dass der Radverkehr gegenüber dem motorisierten Verkehr nicht benachteiligt, sondern diesem mindestens gleichgestellt wird. So würde dann auch gleich eine Maßnahme umgesetzt, die im Rahmen des Klimaschutzteilkonzepts Mobilität erarbeitet wurde – der Radschnellweg (RS) B399n!
  • Bei der „Kino-Kreuzung“ blebt bei den dort vorgesehenen großzügigen Dimensionen der Fahrbahnen zwangsläufig nur Platz für gemeinsame Geh-/Radwege. Das ist im Bereich der Innenstadt nicht azeptabel, weil dort relativ viele Fußgänger unterwegs sind. In solchen Situationen sind Konflikte vorprogrammiert, und ist eine räumliche Trennung in Fuß- und Radwegen erforderlich. In der Planung ist hier Platz für eine vierspurige Straße vorgesehen. Dieser Platz ist gar nicht da, wenn Radwege separiert von Fahrbahnen und Gehwegen geplant würden.
  • Die Vierspurigkeit in diesem Bereich verstärkt den Effekt, dass die nördlichen Stadteile durch die B399n vom Rest Dürens sozusagen abgeschnitten werden.
  • Besonders schockiert haben uns die Dimensionen der künftigen Kreuzung, mit der die Schoellerstraße an die B399n angebunden wird. Die Schoellerstraße wird in diesem Bereich sechs Fahrspuren haben. Der Radverkehr spielt an diesem Knotenpunkt so gut wie keine Rolle!

Statt B399n einen Einbahnstraßenring

ProRad denkt seit längerer Zeit über einen Einbahnstraßenring rund um die Dürener Innenstadt nach und hat diese Idee auch bereits bei verschiedenen Gelegenheiten präsentiert. Dieser Innenstadtring kann den Verkehrsfluss unserer Auffassung nach beschleunigen und dadurch zu einer Verkehrsentlastung für Düren führen, so dass eine echte Abwägung gemacht werden kann, ob die B399n sein muss.

ProRad fordert alle Verantwortlichen – egal ob Straßen.NRW, Dürener Parteien oder Tiefbauamt – auf, sich abseits von Wahlkampf oder parteilichen Interessen noch einmal intensiv damit auseinanderzusetzen, ob sie die B399n tatsächlich für alternativlos halten. Auch wenn diese Straße zu einer Entlastung anderer Bereiche Dürens beiträgt, führt sie den Verkehr nach wie vor durch unsere Stadt. Die großzügigen Dimensionen, die die Straße dem motorisierten Verkehr bietet und die mangelnde Berücksichtigung von Rad- und Fußverkehr werden nicht dazu führen, dass Düren sein im Klimaschutzteilkonzept Mobilität erklärtes Ziel erreicht, den Kfz-Verkehr bis 2025 um 10 Prozent zu reduzieren – ganz im Gegenteil.

Hinweis: Die Grafiken sind jeweils Auszüge aus einer Gesamtgrafik als PDF. Das verwendete Kartenmaterial ist von openstreetmap.org.

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