Über Radwege und Schutzstreifen

In der sommerlichen Artikel-Reihe der Dürener Zeitung/Nachrichten war die Sicherheit von Radwegen und Schutzstreifen ein Thema, und zog Leserbriefe und Blogdiskussionen nach sich.

Wenn Statistiken belegen, dass es bei Radwegen mehr Unfälle gibt, erstaunt das viele Rad- und Autofahrer, weil es unlogisch erscheint. Jedoch mag das zum Teil auch daran liegen, wie Schutzstreifen im Allgemeinen ausgelegt werden. Es lohnt sich der Blick nach Holland. Denn dort gibt es ebenfalls sehr viele Schutzstreifen. Anhand mehrerer Bilder weiter unten wird anschaulich gemacht, was dort anders ist.

heerlen2aGanz wesentlich erscheint es, dass viele Schutzstreifen nicht nur die entsprechende Markierung aufweisen (unterbrochene Linie), sondern der ganze Streifen oft rot ist. An Vorfahrtstraßen wird der Schutzstreifen in vielen Fällen ebenfalls rot durchgezogen.

Das gilt auch für Radwege, wobei dort die Abgrenzung zur Straße bei Kreuzungen ganz auffällig mittels fetter weißer Vierecken erfolgt (siehe unten).

Infrastruktur muss besser werden

Damit die gefühlte Sicherheit auf Schutzstreifen deutlich besser wird, bedarf es groß angelegter Umbaumaßnahmen, denn eine Statistik ist das eine, das andere ist, was Menschen daran hindert eher ihr Fahrrad zu nehmen.

Pro Rad Düren ist es ein Anliegen, dass Düren (Stadt und Kreis) Mittel bereitstellt, um die Fahrradinfrastruktur zu verbessern.
Zu beachten wäre hier z.B. die Kreuzung bei der Post, und die Radweg-Abschnitte durch Niederau bis hin nach Kreuzau.
In Niederau wurde der Straßenbelag großflächig renoviert. Der schlechte Radweg beiderseits ist unberührt geblieben. Das Signal ist wohl: Autos sind wichtiger.
Schließlich ist die Situation im Norden, an der Arnoldsweiler Straße (ab Bahnviadukt Richtung Arnoldsweiler) leider zum heulen.

Erst wenn die Infrastruktur deutlich besser ist, können deutlich mehr Fahrräder erwartet werden. Dies wiederum erhöht die Sicherheit noch einmal, weil Autofahrer von selbst mehr Acht geben, wenn mehr Räder unterwegs sind.

Holland-Beispiele

Die nachfolgenden Bilder stammen alle aus Googlemap Streetview. Zum jeweiligen Vergrößern auf das Bild klicken.

nijmegen3Diese Kreuzung zeigt einen Schutzstreifen vor einem Umbau (Nijmegen)

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Nach erfolgtem Umbau – die Quadrate verfehlen ihre Wirkung nicht. Die Haifischzähne („haaietanden“) bedeuten immer: Querverkehr-Vorfahrt beachten.

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Wieder dieselbe Kreuzung: die Schrägführung hat wohl mit einer Hinführung zu einem zweispurigen Radweg zu tun (beide Richtungen befahrbar)

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Vorfahrtstraße mit durchgezogener Rötung der Schutzstreifen, auch in der Kurve (Nijmegen).

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Hier das Gleiche, mit fetten weißen Quadraten (Heerlen)

 

 

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Aus diesem Bild wurde das Titelbild geschnitten. Vom Platzverbrauch her eine Luxussituation: Es ist noch Abstand zwischen parkenden Pkws und Radweg.

Nebenbei angemerkt: Fußwege sind meistens mit einer eigenen (kleinen) Bordsteinkante vom Radweg getrennt. Fußgänger sind sicher. Der Radweg ist daher meistens breit genug zum Überholen.

Kreisverkehre

nijmegen2

 

Beispiel mit Radweg
(Nijmegen)

 

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Beispiel mit Schutzstreifen
(Heerlen)

 

venlo1

 

Beispiel mit Engführung der Straße
(Venlo)

 

 

 

Einbahnstraße

venlo2Großzügig bemessene Radstreifen (Venlo). Diese Straße ist vormals sicherlich in beiden Richtungen befahrbar gewesen. Der letzte Abschnitt hinter der Verkehrsinsel bis zur Ampel ist für Autos beidseitig befahrbar.


Ein Großteil der gezeigten Straßenzüge habe ich vor Ort gesehen. Vor kurzem war ich in einem Ort (Dieren), bei dem ich feststellen konnte, dass in der letzten Zeit an vielen Stellen erhebliche Verbesserungen durchgeführt wurden. Konkret heißt das: Fahrradwegeplaner hierzulande, die sich an Holland orientieren, laufen Gefahr, etwas umzusetzen, das den Trend schon wieder hinterherläuft. Was hier oben gezeigt wird, entspricht in etwa aktuellen Maßstäben.

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Ein Kommentar zu Über Radwege und Schutzstreifen

  1. Roger Eichler sagt:

    Woran es fehlt ist m. E. vor allem die Kenntnis von Autofahrern über die einzuhaltenden Abstände beim Überholen.
    Die rote Einfärbung finde ich für Schutzstreifen kritisch. Nach meiner Erfahrung erhöht sich dort bei Nässe die Rutschgefahr. Außerdem ist kann man an ihr bislang optisch leicht den Schutzstreifen (darf vom Autoverkehr bei Bedarf überfahren werden) vom Radfahrstreifen (tabu für Autos) unterscheiden, denn nur Radfahrstreifen sind rot. Das Foto aus Venlo würde einem deutschen Radfahrstreifen entsprechen.
    Schutzstreifen lassen sich politisch und baulich leichter verwirklichen, weil die Wegnahme von Platz des Autoverkehres weniger „absolut“ daherkommt. Nach meiner Erfahrung haben sich Autofahrer überwiegend an Schutzstreifen und damit an Radverkehr auf der Fahrbahn gewöhnt. Rücksichtslose Eng-Überholer, Behinderer, Zuparker usw gibt es natürlich trotzdem noch. Aber es ist ein Schritt herunter von den gefährlichen und Fußgängerfeindlichen „Hochbordradwegen“ getan.
    Ich mache als Radfahrer einen Bogen um Holland! Dort werden drakonische Strafen bei Mißachtung der Radwegbenutzungspflicht verhängt. Die Radwege, die ich kennengelernt habe, sind aber in vielen Fällen nicht viel besser als die in Deutschland.

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