Die jüngsten Beratungen im Verkehrs- und Bauausschuss der Stadt Düren geben ADFC und ProRad Düren erheblichen Anlass zur Sorge.
Bei mehreren aktuellen Entscheidungen und Anträgen sehen wir einen deutlichen verkehrspolitischen Rückschritt. Statt sichere und attraktive Bedingungen für den Rad- und Fußverkehr weiterzuentwickeln, werden bestehende Maßnahmen infrage gestellt oder Lösungen bevorzugt, die vor allem den Kfz-Verkehr möglichst wenig einschränken. Besonders kritisch sehen wir, dass dabei teilweise Maßnahmen zurückgenommen werden sollen, die sich bereits bewährt haben oder mit überschaubarem Aufwand erprobt werden können. Dazu gehören die mobilen Fahrradabstellplattformen, die Verkehrsberuhigung am Postbogen und die geplante Radverkehrsführung auf der Veldener Straße.
Aus Sicht von ADFC und ProRad Düren droht damit eine Verkehrspolitik, die den Anspruch einer fahrrad- und fußverkehrsfreundlichen Stadt zunehmend aus den Augen verliert.
Mobile Fahrradabstellplattformen („Fahrradflundern“)

Bildnachweiß: Stadt Düren
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In Düren stehen drei mobile Fahrradabstellplattformen zur Verfügung. Die sogenannten Fahrradflundern stammen aus den Niederlanden, sind etwa zwei Meter breit und sechs Meter lang und benötigen damit ungefähr die Fläche eines Pkw-Stellplatzes. Fünf Fahrradanlehnbügel bieten auf dieser Fläche Abstellmöglichkeiten für bis zu zehn Fahrräder. Die Fahrradflundern können flexibel dort eingesetzt werden, wo aufgrund von Rückmeldungen aus dem digitalen Meldeportal für Fahrradbügel, aus der Bürgerschaft oder aus politischen Gremien ein besonderer Bedarf vermutet wird. Durch einen zeitlich begrenzten Einsatz lässt sich praktisch erproben, ob an einem Standort dauerhaft zusätzliche Fahrradbügel sinnvoll sind. Die „Düren Koalition“ möchte diese mobilen Fahrradplattformen nun zurückbauen und veräußern. Für ADFC und ProRad Düren ist das nicht nachvollziehbar. Damit würde ein einfaches und flexibles Instrument aufgegeben, mit dem neue Fahrradabstellanlagen zunächst erprobt werden können, bevor dauerhaft investiert wird. Hinzu kommt die grundsätzliche Frage nach der Aufteilung des öffentlichen Raums: Wo auf der Fläche eines Pkw-Stellplatzes normalerweise ein Auto abgestellt werden kann, finden mit einer Fahrradflunder bis zu zehn Fahrräder Platz. Gerade angesichts begrenzter Flächen in der Innenstadt halten wir es für das falsche Signal, solche Angebote abzubauen, während Pkw-Stellplätze weitgehend unangetastet bleiben. Den Antrag findet ihr im Ratsinformationssystem der Stadt Düren:
Verkehrsberuhigung an der Post
Auch die Verkehrsführung am sogenannten Postbogen in der Kölnstraße soll wieder verändert werden. Gemeint ist der Bereich am Postgebäude zwischen Fußgängerzone und Kreuzung. Nach jahrelangen Problemen mit unübersichtlichen und teilweise chaotischen Verkehrsverhältnissen war dort durch ein Gesamtkonzept des Tiefbauamtes endlich eine deutlich ruhigere Situation entstanden. Ein wesentlicher Bestandteil war die Schließung der Ausfahrt vom Parkplatz am Pletzerturm in Richtung „Am Pletzerturm“. Dadurch konnten unnötige Fahrbewegungen durch diesen sensiblen Innenstadtbereich reduziert werden. Die Maßnahme hat zu mehr Sicherheit für den Fuß- und Radverkehr und zugleich zu einer höheren Aufenthaltsqualität beigetragen. Die Bestrebungen, diese Verkehrsführung wieder zu verändern sehen wir als deutlichen Rückschritt. Eine erneute Öffnung für zusätzliche Kfz-Verkehre würde einen bereits erreichten Fortschritt ohne überzeugenden verkehrlichen Grund wieder infrage stellen. Gerade im direkten Umfeld der Fußgängerzone sollte das Ziel sein, unnötigen Autoverkehr zu vermeiden und sichere sowie attraktive Bedingungen für Menschen zu schaffen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.
Veldener Straße: Geschützter Radstreifen soll nicht nicht weitergeführt werden
Besonders kritisch bewerten wir die Entscheidung zur Veldener Straße. Bereits das Verfahren im Verkehrs- und Bauausschuss war aus unserer Sicht problematisch: Eine wesentliche Vorlage wurde erst kurz vor der Sitzung in das Beratungssystem eingestellt. Damit bestand weder für die Fraktionen noch für die Verkehrsverbände eine angemessene Möglichkeit, sich vor der Sitzung fachlich mit der Vorlage auseinanderzusetzen. Zumal unsere dazu vorgelegte Stellungnahme vom Juli im Ausschuss nicht behandelt wurde.
Die Grüne Fraktion und die Verkehrsverbände beantragten deshalb, den Tagesordnungspunkt zu vertagen. Es besteht keine besondere Eile, da aufgrund der Haushaltssperre in diesem Jahr ohnehin keine entsprechenden Beauftragungen mehr erfolgen können. Die Ausschussmehrheit entschied dennoch, den Punkt zu beraten.

Planungen zur Veldener Straße zwischen Fritz-Erler-Str. und Bahnbrücke. Quelle:Ratsinformationssystem
Noch schwerer wiegt für uns die inhaltliche Entscheidung. Anstatt den aus Birkesdorf kommenden geschützten Radfahrstreifen konsequent weiterzuführen, soll die breite Fahrbahn für den Kfz-Verkehr erhalten bleiben und lediglich mit roten Markierungen und Fahrradpiktogrammen ein Spur für Radfahrende Radfahrende markiert werden. Eine solche Markierung ist jedoch kein Ersatz für eine geschützte Radverkehrsanlage. Hier wird eine Chance vertan eine sichere und durchgängige Radverkehrsverbindung in Richtung Stadtzentrum zu schaffen, um möglichst wenig Fläche des Kfz-Verkehrs neu verteilen zu müssen. Dadurch wird eine ähnliche Situation wie auf der Aachener Straße geschaffen: Kraftfahrzeuge fahren weiterhin nebeneinander, während Radfahrende am Fahrbahnrand unterwegs sind. Konflikte und zu geringe Überholabstände sind bei einer solchen Gestaltung vorprogrammmiert.
Absolut unverständlich ist die Entscheidung angesichts der Ergebnisse aus dem Verkehrsversuch den die Stadt in 2024 durchgeführt hatte. Diese zeigen, dass die Verkehrsmenge auf der Veldener Straße auch mit einer Fahrspur flüssig abgewickelt werden kann. Wenn trotz dieser Erkenntnisse auf eine sichere, geschützte und durchgängige Radverkehrsanlage verzichtet wird, ist das für uns keine zukunftsorientierte Verkehrsplanung. Die Planungen sind im Ratsinformationssystem einsehbar:
https://sessionnet.owl-it.de/dueren/
Neumarkierung von Mehrzweckstreifen nach geltenden Regeln
Auch bei der Diskussion über die Neumarkierung von Mehrzweckstreifen zeigt sich ein grundsätzliches Problem: Die bestehende Aufteilung des Straßenraums zugunsten des Kfz-Verkehrs wird kaum infrage gestellt. Verkehr bedeute für die amtierende Koalition aus CDU und SPD ausschließlich KFZ-Verkehr. Dabei bieten gerade notwendige Neumarkierungen die Gelegenheit, bestehende Straßenquerschnitte neu zu betrachten: Wo können sichere Angebote für den Radverkehr geschaffen werden? Wo können Konflikte reduziert werden? Und ist es noch zeitgemäß, vorhandene Flächen automatisch wieder so aufzuteilen wie bisher? Den Bürgerantrag und die ablehnende Stellungnahme der Verwaltung finden sich im Ratsinformationssystem.
ADFC und ProRad Düren erwarten, dass bei solchen Planungen nicht lediglich der Bestand reproduziert wird. Verkehrssicherheit und die Bedürfnisse des Fuß- und Radverkehrs müssen gleichberechtigt berücksichtigt werden. Wo Veränderungen erforderlich sind, darf eine Neuverteilung von Verkehrsflächen kein Tabu sein.
Kritisch sehen wir in diesem Zusammenhang auch die Ablehnung von mehr Tempo 30, konkret in Lendersdorf. Gerade dort, wo separate und ausreichend sichere Radverkehrsanlagen fehlen, kann eine niedrigere Geschwindigkeit wesentlich dazu beitragen, die Folgen unterschiedlicher Geschwindigkeiten zwischen Auto- und Radverkehr zu reduzieren und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
Kostenloses Kurzzeitparken
Auch bei der Parkraumpolitik wird die derzeitige verkehrspolitische Schwerpunktsetzung sichtbar. Mit der Einführung von 15 Minuten kostenlosem Kurzzeitparken sowie der Befreiung von Parkgebühren am Samstag ab 13 Uhr soll die Nutzung des Autos für Fahrten in die Innenstadt attraktiver werden.
Fazit des ADFC und ProRad Düren
Der Kfz-Verkehr, der den öffentlichen Straßenraum bereits heute dominiert, soll noch stärker bevorzugt werden. Gleichzeitig werden Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr ausgebremst, verwässert oder bereits erreichte Fortschritte wieder zurückgenommen. Von einer ausgewogenen Verkehrspolitik entfernt sich Düren damit aus unserer Sicht zunehmend. Das halten wir für den falschen Weg. ADFC und ProRad Düren setzen sich weiterhin dafür ein, den begrenzten öffentlichen Raum fairer zu verteilen und sichere, durchgängige und attraktive Bedingungen für den Rad- und Fußverkehr zu schaffen. Düren braucht keine Rückkehr zu einer Verkehrspolitik, bei der Veränderungen bereits dann scheitern, wenn dafür dem Autoverkehr nur wenig Raum entzogen werden müsste.